Interview, Magazin

Jandl ist wie LEGO

In Neudietendorf lebt eine Katze. Sie heißt Cachette. Cachette lebt in einem Haus neben dem Bahnhof. Wenn draußen die ICEs vorbeifahren, donnert es drinnen. Cachette stört das nicht. Sie springt auf einen Schoß. Es ist mein Schoß und der Schoß ist hier, weil ich Peter Böving gegenübersitze. Peter gehört das Haus. Hier wohnt er mit seiner Frau, hier hat seine Firma »Klötzchenkino« ihren Sitz, hier macht er Poetryfilme aus LEGO, Musikfilme, Experimentalfilme. Er war schon vieles: Theatermacher, Musiker, Hörbuchlabelchef. Er arbeitete für Werbefirmen und produzierte in einem Jahr dreißig Filme fürs virale Marketing. Und genau an dieser Stelle setzt dieses Interview ein.

Wie bist du vom Werbefilm zum Poetryfilm gekommen?

Irgendwann merkte ich: Die Sache ist nicht wirklich durchdacht. Du kommst nicht zum Atmen. Ich wollte aus dieser Dienstleistermühle raus, ohne aber wirklich einen Plan B zu haben. In dieser Zeit stieß ich auf einen hochgelobten LEGO-Film, und mein erster Gedanke war: In dem Genre ist mehr drin! Entweder triggern mich die ganz schlechten oder die ganz guten Filme. Mir war schnell klar: Ein LEGO-Film hat den Charme und das Potential, mit relativ wenig Platz und Aufwand große Geschichten zu erzählen.

Und dann bist du in den Laden gegangen, um LEGO-Steine zu kaufen.

Nein, LEGO hat man. (lacht) Im Durchschnitt besitzt jeder Mensch auf der Welt hundert LEGO Steine. Da weißt du Bescheid. Ich hatte die Kisten noch aus meiner Kindheit, hatte aber seitdem nichts mehr damit gemacht. Als ich angefangen und gemerkt habe, ja, das wird vielleicht was, war ich bei ebay einkaufen. Denn bei LEGO muss man schauen: Was gibt es denn überhaupt für Steine und wie kann man hochwertig bauen? Ich habe dann eigene Mischformen entwickelt, um das Starre aufzubrechen.

Er zeigt auf das Filmset, das neben uns aufgebaut ist und greift einen Baum heraus.

Siehst du, Draht und LEGO verbinden sich hier. Und schon habe ich das Gefühl, das ist organisch.

Filmstill aus »der und die«. Foto: Peter Böving

Das heißt, du musstest mehrere Lernprozesse durchlaufen: Wie animiere ich? Und wie baue ich schön mit LEGO?

Ja, das habe ich alles nach und nach erforscht. Animieren musste ich erst wie ein neues Instrument erlernen. Es hakte hier und da, gerade beim technischen Ablauf. 2010 lief mein erster LEGO-Kurzfilm im Kino. Davor waren drei Jahre Testfilme und Recherche angesagt. Dabei entgleitet einem die Zeit. Was aber völlig in Ordnung ist, da dieser Prozess für mich eigentlich der Spannendste am Filmemachen ist.

Um überhaupt mit dem klassischen Animationsfilm in Konkurrenz treten zu können, ist die Frage der Ausstattung sehr essenziell, da man beim Legoset nicht mit organischen Materialien punkten kann. Erst wenn das Set an cineastische Aspekte angepasst ist, kann es auch ein guter Film werden. Dafür habe ich viel mit Farben experimentiert. Ich habe dann kiloweise Schrott-LEGO gekauft. Da sind viele zerbissene Steine dabei, die Kinder mal im Mund hatten.

Er steht auf, holt aus einem anderen Zimmer einen Planeten, den er aus alten Steinen gebaut und geklebt hat und zeigt auf zerbrochene Teile.

Da bekomme ich das Organische für wenig Geld frei Haus, denn die jetzt mit »Struktur« versehenen Steine erhalten mit einem Mattlack eine erstaunlich ansprechende Haptik.

Würdest du deine Werke auch als »Brickfilme« bezeichnen?

Ich versuche, davon wegzukommen. Aber um das überhaupt einzutüten, hilft das schon. Man kann nicht immer sagen: Ich bin meine eigene Schublade. Damit nervt man die Leute auch.

Und fühlst du dich in der Schubalde »Poetryfilm« wohl?

Oft. Auch, weil ich aus der Ecke der Literaturvertonung komme. Ich hatte ein Hörbuchlabel und habe dort Texte von Ernst Jandl und Heiner Müller aufgenommen. 1989 begann meine Zeit im Theater und 93 habe ich ein Kästnerprogramm geschrieben, bei dem ich gesungen und E-Bass gespielt habe. Das ging richtig gut – mit letztlich über fünfhundert Auftritten und einer Europatournee fürs Goethe-Institut.

Jandl war schon schwerer zu verkaufen. Aber der ist total mein Ding. Jandl ist wie Lego. (lacht) Im Grunde macht der nichts anderes: Der nimmt sich ein paar Worte und baut die immer wieder um und guckt, was passiert.

Dich interessiert das Spielerische?

Ich bin ja Musiker. Das merkt man meinen Filmen vielleicht auch an. Musikmachen sollte aus einem Impuls heraus funktionieren. Gerade Jandl-Texte triggern auf der rhythmischen Ebene. Natürlich gibt es mehrere Parameter; einen guten Song machen auch Harmonien und Melodie aus. Aber als Bassist denke ich vor allem vom Rhythmus her.

Ist der Rhythmus auch der Ansatz, mit dem du Jandl-Texte für deine Filme auswählst?

Er hat ja viele politische Texte gemacht. Oft beziehen die sich aufs Dritte Reich. Die sind so komplex, das sind richtige Brocken. Das traue ich mir nicht zu. Das ist mir auch fast schon zu unerotisch, weil es so botschaftsbetont ist.

Interessant, dass du das Wort ›Botschaft‹ verwendest. Denn ich habe das Gefühl, dass deine Filme – neben dem unterhaltenden Element – eine Haltung auszeichnet. In »Patada Day« machst du das Schreddern von Küken zum Thema, in »Gott ist schon weg« den Kohlebergbau, im neuen Film Pegida.

(überlegt) Ja, wie jeder, der eine Haltung hat, versuche ich auch meinen Weg zu finden, diese auszudrücken, ohne die Leute damit zu nerven. Ich habe mal zu Guido (Guido Naschert, Hrsg. des Poetryfilm Magazins) gesagt: Man erreicht ja eh nur die Leute, die man sowieso schon auf »seiner« Seite hat. Und er meinte: Es ist schon ein Erfolg, wenn man diese Gruppe gewissermaßen stabilisiert.

Deine Filme zeichnet eine unglaubliche Detailvielfalt aus. Wie wichtig ist es für dich, genau zu sein?

Recherche ist der wichtigste Teil der Arbeit. Dazu gehören Inhalt, Stilistik, Musik, Ton. Aber es ist wesentlich komplexer, Musik zu machen als einen Film. Bei Musik kann man viel eher scheitern. Das klingt vielleicht seltsam, weil man denkt, Musik wäre ein Baustein des Filmes und deshalb müsste Film komplexer sein. Bei Musik braucht man meiner Meinung nach viel mehr Erfahrung. Jedes Instrument, jedes Geräusch hat Einfluss auf alles. Man muss wissen, wo man reingeht, wo raus. Aber wenn ich eine gute Textvorlage habe, schreibe ich, glaube ich, auch überzeugende Musik.

Welche Rolle nimmt das Gesprochene im Film ein?

Speziell in diesem Film trägt das Gesprochene alles! Die Stimme muss natürlich den Inhalt vermitteln, und jedes zuarbeitende Instrument muss sitzen.

Am Set von »der und die«. Foto: Marco Riese

Bei deinem neuen Film »der und die« ist die Sprecherstimme eine Art Sing-Sang. Warum?

(erstaunt) Wie »Warum«? Weil ich alles vorgebe. (lacht) Das ist kein Rap, das liegt so zwischen den Welten. Wichtig ist, dass man dem Text folgen kann. Jandls Gedicht »der und die« besteht aus Wortblöcken. Da ergibt sich der Rhythmus fast von allein. Wie 1 und 0, entweder Pause oder Nichtpause. Ein bisschen wie bei Bela Bartók. Da gibt es von ihm z. B. ein Motiv, welches das gesamte Orchester unisono spielt, in welchem komplexe Rhythmen mit Achtel-Noten und Pausen erzeugt werden. Mit taktübergreifenden Verschiebungen kannst du unglaublich zaubern. Und nur mit Achtel-Noten und Pausen zu arbeiten, ist obendrein die totale Reduzierung – wie bei LEGO! Jemand hat mal ausgerechnet, dass du mit 6 Legosteine à 8 Noppen 950.103.765 verschiedene Kombinationen stecken kannst.

Wie hast du diese Verschiebungen – Pause/Nichtpause – ins Gesprochene gebracht?

Ich weiß nicht, wie viel Zeit du für diese Geschichte hast …

Und dann beginnt er zu erzählen, wie er die Sprecherstimme mit Manfred Lehmann aufgenommen hat. Als Synchronstimme von Bruce Willis, Gérard Depardieu und anderen ist Manfred Lehmann ein Mann mit wenig Zeit. Für die Aufnahmesession war deshalb nur eine Stunde angesetzt. Zwecks Vorbereitung schickte Peter vorher Tonbeispiele. Auf dem Weg zum Tonstudio in Berlin hatte Peter einen Unfall mit Meniskusriss und kam zu spät zum Termin. Die Stimmung war entsprechend schlecht, von der angesetzten Stunde nur noch 45 Minuten übrig. Manfred Lehmann hatte sich die Vorbereitungssachen natürlich nicht angeschaut. Kurzentschlossen setzte sich Peter mit in die Aufnahmekabine und sprach die rhythmischen Textblöcke vor und Manfred Lehmann ihm nach. Nach zwei Durchgängen war alles im Kasten. Am Ende blieben noch fünfzehn Minuten übrig.

Diese Katastrophenszenarien, diese Momente, in denen alles zu scheitern droht, kannte ich zur Genüge aus dem Theater. Aber meistens kann man sich erst dann richtig fokussieren. Das hat der Sache letztlich gutgetan.

Peter Böving und Dennis Schmelz. Foto: Marco Riese

Lass uns über »der und die« sprechen, das auf einem Gedicht von Ernst Jandl beruht. Der Film beginnt mit einem Prolog, einer Art Gebrauchsanweisung dafür, wie das Gedicht, das aus einer Art Worttabelle besteht, zu lesen ist.

Wenn man den Film drei Mal hintereinander schaut, entdeckt man viele Ebenen und Aspekte selber. Aber beim Festival hat man nicht die Möglichkeit dazu. Ich muss dafür sorgen, dass schon beim ersten Schauen so ein kleiner Aha-Effekt einsetzt und ein Spaßfaktor aufkommt.

Das Mehrteilige scheint mir auch typisch für deine Filme zu sein; im Bild selbst, das Nebeneinander verschiedener Elemente, aber auch das Nebeneinander mehrerer narrativer Teile. Bei »Patata Day« war das ja ähnlich, auch bei »Gott«.

(überlegt) Ist mir noch nie wirklich aufgefallen. Das ist vielleicht gar nicht so gewollt.

Warum sind die beiden Protagonisten des Films nicht aus LEGO gebaut?

Bei LEGO-Figuren ist es schwierig, wenn man sie etwas komplexer haben möchte; die Mimik, Gestik, Oberfläche.

Wieder steht Peter auf und holt aus einem Schrank die Figur eines Marsmännchens. Es ist ein seltsames Gefühl, die Figur, die im Film gelebt hat, starr und steif in den Händen zu halten.

Siehst du, der Marsmensch ist sehr verpickelt und fast ein bisschen krude. Filmisch ist das schon ein Unterschied zu LEGO-Figuren. Bei dem ist viel mehr dran. Der ist aus Flüssiglatex und einem Aluminiumgerüst. So arbeiten ja alle seriösen Animatoren. (lacht) Ich bin jetzt ja zum ersten Mal dazugekommen. Bei der Protagonistin schwebte mir von Anfang an die Frau von Popeye vor, Olivia. Weil die immer so schön dünn war, die hatte keine Form, keine typischen Proportionen.

In den Producer Note zu »der und die« heißt es: »Bei Jandls Literaturvorlage [handelt es sich] um ein relativ abstraktes Liebesgedicht … Hätte man, womit ein Filmemacher selten gut beraten ist, den Text 1:1 verfilmen wollen, würde die junge Dame zu Beginn in einem Gebirgs-TAL auf ihren Liebespartner warten. Wie vermeiden wir nun diese grobe naturalistische Umsetzung vorgeschriebener Locations in den filmischen Kontext? … Das war die erste große Fragestellung meiner filmischen Umsetzung. Die Assoziationskette führte nach Dresden, in das so genannte ›TAL der Ahnungslosen‹.«

Filmstill aus »der und die«. Foto: Peter Böving

Wenn man sich so intensiv mit Jandl beschäftigt hat wie du, ist es so, dass man bestimmte Texte lange Zeit mit sich tragen muss, um die passende Form der Umsetzung finden zu können?

Ich habe mehrere Jandl-CDs aufgenommen. »der und die« war als Titel allerdings nicht dabei. Aber ich kannte das Gedicht trotzdem ganz gut. Ein Poetryfilm lohnt sich nur, wenn man ihn anders bebildert, als der Text das einem vorgibt, man noch etwas beisteuern kann. Deswegen wollte ich unbedingt weg von diesem eindeutigen Bild. Das war erst mal nicht so einfach. Aber als das Tal der Ahnungslosen klar war, habe ich gedacht, okay, das ist ein totales Angebot. Wann kam Pegida?

Herbst 2014.

Ja, der Film ist noch nicht so lang in der Pipeline. Da hat sich das Thema auch aufgedrängt. Wenn erst einmal so eine Assoziationskette losgetreten ist, dann geht das schnell. Dresden war wichtig als Verortung. Auf Pegida wäre bei Dresden jeder andere auch gekommen. Vor allem, wenn du diese bestimmte Energie brauchst.

Weiter heißt es in den Notizen: »Die zweite wichtige Frage war: Welches Filmmoment bildet die fulminante Energie des Liebesrausches ab und transportiert die aufgeheizte Stimmung der Protagonisten, die dem zweiten Teil des Gedichts immanent ist, vermeidet aber zugleich die längenbehaftete, pornografische Attitüde der literarischen Vorlage?«

Ich finde es eine bemerkenswerte künstlerische Entscheidung, dass du ab einem bestimmten Punkt im Film keine Liebesgeschichte mehr erzählst, sondern eine so politische Erzählung startest. Das lenkt ja auch den Blick in eine bestimmte Richtung und überlagert vielleicht den Text.

(überlegt) Naja, das ist schon auch ein spielerischer Umgang damit. Und es geht ab dem besagtem Punkt auch nicht darum, die bundesdeutsche Gegenwartsproblematik metaphorisch aufzuarbeiten, sondern vielmehr in bekannten Fragmenten abzubilden und dem Geschehen als Folie zu unterlegen.

Sagen wir mal so: Das Jandl-Gedicht gibt eigentlich vom Ereignisverlauf gar nicht so viel her. Da kommen zwei und fallen übereinander her. Und das die ganze Zeit. Das Ding lebt von der Energie und vom Rhythmus. Das ist das Spannende. Aber es ist keine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte wäre es, wenn sich was über Wochen aufbauen würde. Aber bei »der und die« geht es gleich richtig zur Sache, wie ein Dating, bei dem du sofort sagst: Mit dem will ich jetzt aber … mit allen Konsequenzen. Aber es ist auch … (zögert) … witzlos, das genau so auszumalen. Da fände ich den Text allein viel stärker, als wenn man das noch hinterherpinseln würde.

Für den Film hast du auch mit Highspeedaufnahmen gearbeitet. Hat das deine Art der Inszenierung verändert?

Nee, das war ja zuvor klar. Beim Highspeed muss man sich das genau überlegen; welche Szenen in welcher Bildrate aufeinander folgen – das sollte man schon vorher ziemlich genau wissen. Du hast ganz kurze Passagen, die du später verlangsamt abspielst. Du nimmst ein oder zwei Sekunden auf und die werden im Film zu dreißig Sekunden. Das muss man sich extrem gut zurecht legen.

Filmstill aus »der und die«. Foto: Peter Böving

Macht es dir Spaß, das vorher so genau zu wissen?

Total.

Dabei ist das eigentlich das Gegenteil vom Spielerischen …

Sagen wir mal so: Ich drehe erstmal nach Plan ab. Aber wenn sich dann was ergibt … Wir haben beim Dreh immer wieder Leute eingeschleust. Ein unbeteiligter Bauarbeiter auf dem Drehgelände sah aus wie ein nordischer Wikinger. Den haben wir uns gekrallt und der ist dann in der Szene »Lügenpresse« einmal wild durchs Bild gesprungen. Solche Spontanbesetzungen finde ich total gut. Aber es muss klar sein, was im Fokus ist. Und dann kann man sehen, mit welchen Mitteln die Energie kommt. Das entscheidet sich meistens sehr spontan.

Du bist auch im Film dabei.

Ja, das muss sein. Ich bin oft drinnen. Immer, wenn es total aggressiv wird.

Dann als Schlichter?

Nee, ich bin der Aggressor. (lacht)

Bei den Dreharbeiten von »der und die«. Foto: John Henry Marcell

Was bedeutet der Begriff »Poetryfilm« für dich?

Das knüpft jetzt nochmal an die »Schubladenfrage« an: Das lief bei mir immer schon eher kurios. Als E-Bassist habe ich den größten Widerhall im Musik-Literaturbetrieb erfahren. Und zwar dort, wo das Klavier eine Monopolstellung hatte.

Und meine Legofilme sind in der hermetisch abgeriegelten Brickfilmszene auch noch nicht wirklich angekommen. »Gott ist schon weg« – ein lupenreiner Brickfilm, hat ja aktuell an die 20 internationale Filmpreise gewonnen. Aber eben nicht auf diesen Brickfilmfestivals. Meine Brickfilme waren bisher immer zu lang, als das ich das dort hätte ausprobieren können. Möglicherweise würden sie dort aber auch in verkürzter Form nicht laufen.

Mit der Schublade »Poetryfilm« verhält es sich sehr ähnlich. Da es hier nicht so viele Festivals gibt, kann ich nicht hundertprozentig sagen, ob sich diese Nische für mich falsch oder richtig anfühlt. Ich selbst kann mit anderen Poetry-Filmen immer dann etwas anfangen, wenn sie mein cineastisches Verständnis berühren. Ich mag die Filme, die die Leinwand nutzen und in denen die selbständigen Elemente Wort, Bild und Klang zu neuer Eigenart zusammenfinden. Das Bild muss mir nicht den Text illustrieren, das Wort nicht die Bilder untertiteln, die Musik muss mir nicht erklären, was ich beim Betrachten zu empfinden habe. Aber ich fühle mich unwohl, wenn ich Filmen beiwohne, die sich in narzisstischer Selbstbeschäftigung verlieren.

Aber nochmal zurück: Ich finde die ursprüngliche Idee des Genres Poetryfilm wirklich stark:
Gleiche Vorgaben für alle! Wo bei anderen Festivalformaten zwangsläufig Äpfel mit Birnen verglichen werden, finden sich hier annähernd gleiche Voraussetzungen.

Über zwei Stunden saß Cachette auf meinen Beinen. Nun springt sie runter. Beim Rausgehen klopfe ich ihre Haare von der Hose. Peter begleitet mich zum Bahnhof. Dort stehen wir eine Weile zusammen und warten auf den Zug, der verspätet kommt, weil bei Leinefelde eine alte Frau bei geschlossener Schranke über die Gleise ging. Das gibt uns Gelegenheit, weiterzusprechen; von den nächsten Projekten, den nächsten Filmen, weniger aufwendig zum einen, viel aufwendiger zum anderen, jeweils neue Genres, wieder ein Experimentieren mit Formen und Texten. Zwei Tage später schickt Peter ein Porträtfoto, das er extra nach dem Interview aufgenommen hat. Darauf zu sehen: Cachette.


Foto: Florian Racz

Peter Böving, geboren in Mülheim/Ruhr, gelernter Tischler, lebt seit 2001 in Thüringen. Seit Mitte der 80er Jahre freischaffend als Musiker, Komponist und Produzent im Bereich Theater und Hörbuch. Ausgedehnte Tourneen (u. a. über die Goethe-Institute) mit eigenen Literaturprogrammen in Mittel- und Osteuropa. Mit Gründung des Klötzchenkinos (2010) erobert er sich unablässig die Welt des Animationsfilms. Neben Musikinstrumenten beherbergt er seitdem auch LEGO und Filmpreise.


der und die (Blind Date in Dresden)

Poetryfilm/ Hybridfilm/ Experimental

Ein Liebesgedicht von Ernst Jandl ist die Grundlage für ein musikalisches
Tête-à-tête zwischen einer Dresdnerin und einem Marsmenschen.
In einem Mietwagen kommt es schnell zu einer rauschenden Liebesszene,
die im Umfeld einer turbulenten Montagsdemo im völligen Chaos endet.

09:35 Min | Deutschland 2019

Sprecher: Manfred Lehmann, Anna Mateur, Christoph Zeha Schmidtke | Darsteller: Markus Pfeiffer, Anna Mateur, Ariane Dawson, Gunter Linke, Alik Dawson, Helge Neumann u. a. | Highspeed Operator: John Henry Marcell | Choreografie: Caro Müller | Lyrik: Ernst Jandl | Regie, Drehbuch, Produzent: Peter Böving/ KLÖTZCHENKINO

Gefördert durch die Thüringer Staatskanzlei (TSK) und die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM)

www.kloetzchenkino.de


Erste Aufführungen in 2019: PREMIERE Bochum 22.11., 21 Uhr, blicke 27 – kurzfilmfestival des ruhrgebiets, im endstation.kino im Bahnhof Langendreer; Berlin 07.12., 19:30 Uhr, ZEBRA Poetry Film Festival (Deutschsprachiger Wettbewerb), Kino in der KulturBrauerei; Weimar 21.12., 19:00 Uhr, Kurz & Poetisch. Der literarische Filmabend am kürzesten Tag des Jahres (Veranstaltung zum Kurzfilmtag 2019), Literarische Gesellschaft Thüringen e. V., Eckermann-Buchhandlung; Murnau 27.12., 21:30 Uhr, Über kurz oder lang / Filmfestival in der Westtorhalle

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