Gewinner, Poetryfilmpreis

Die Gewinner

Die Gewinner des 4. Weimarer Poetryfilmpreises sind die Filme HIATUS (Jurypreis Bester Realfilm), THE RIGHT TO FALL APART (Jurypreis Beste Animation) und HATE FOR SALE (Publikumspreis). Außerdem vergab die Jury eine Special mention an den Film THE OPENED FIELD.

JURYPREIS BESTE VIDEO

Die Jury des 4. Weimarer Poetryfilm-Preises, bestehend aus der spanischen Filmemacherin Belén Montero, der Kuratorin Sonja Hofmann aus Köln sowie dem in Berlin lebenden Dichter und Übersetzer Timo Berger, wählte den brasilianischen Beitrag HIATUS (2018) zum Sieger des mit 1000 Euro dotierten Preises in der Kategorie ›Bestes Video‹. Regie führte die in Miami (USA) lebende Experimentalfilmerin Vivian Ostrovsky.

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit den Worten: »Hiatus kombiniert verschiedene audiovisuelle Sprachen, um eine ebenso poetische wie dokumentarische Collage zu schaffen, deren zahlreiche Ebenen zu unterschiedlichen Lesarten einladen. Dieses hybride Videopoem enthüllt uns einen Teil des Lebens von Clarice Lispector, einer Frau, die gegen den Zeitgeist ihrer Epoche lebte und anschrieb, und verleiht so dieser unbequemen Stimme eine ganz neue Aktualität. Gleichzeitig verbindet uns das Gedicht mit den Ursprüngen der experimentellen Poesie und vor allem der Videopoesie in Brasilien durch ihr letztes, erst posthum ausgestrahltes Fernseh-Interview, mit dessen Text Vivian Ostrovsky in Hiatus einen poetischen Diskurs generiert. Es endet mit einem Verweis auf die Stille, einen Moment des Nicht-Schaffens, einen Hiatus, der uns erinnert, wie es im Film heißt: dass das Leben kurz ist, die Kunst aber den Tod überdauert.«

JURYPREIS BESTE ANIMATION

Erstmals wurden beim Weimarer Poetryfilmwettbewerb zwei Hauptpreise verliehen. In der Kategorie ›Beste Animation‹ gewann der deutsch-ägyptische Film THE RIGHT TO FALL APART (2019) von Rika Tarigan und Yara M. Ahmed. Auch dieses Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Die Jury formulierte ihre Entscheidung wie folgt: »Der Film basiert auf einem Gedicht von Yara Mahmoud Ahmed, das verschiedene Instanzen der Hausarbeit in einer loopartigen Sequenz zitiert. Parallel zur voranschreitenden Erschöpfung entwickelt die Protagonistin in einem fließenden, einnehmenden Rhythmus spielerisch Phantasien der Entgrenzung. Der Film, der traditionelle und digitale Animationstechniken mischt, ist in einem zeitgenössischen arabischen Setting verortet und kommt dabei ohne jede Exotik aus. Videopoesie wird von Rika Tarigan verstanden als therapeutischer Akt, der jedoch durch seine frische, urbane Ästhetik über das individuelle Schicksal hinausweist.«

SPECIAL MENTION

Außerdem vergab die Jury eine Special Mention für den Film THE OPENED FIELD (2017) der niederländischen Filmemacherin Helmie Stil. In der Begründung dafür heißt es: »Sechs Jungs tragen in einem rituellen Reigen einen Wettkampf um ihre Identitätsfindung aus. Helmie Stil überträgt den vibrierenden Rhythmus des gleichnamigen Gedichts von Dom Bury in eine hypnotisierende Bildsprache. Sie inszeniert das spannungsgeladene Spiel um Adoleszenz und Männlichkeitsrituale in einer tänzerischen Choreografie, die sich in der direkten Konfrontation mit der Natur als physische Erfahrung entlädt.«

PUBLIKUMSPREIS

Den mit 250,- € dotierten Publikumspreis gewann der niederländische Beitrag HATE FOR SALE (2017) von Anna Eijsbouts mit einem Text des Autors Neil Gaiman.

Förderer des Wettbewerbs sind die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, die Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaft und Gedenkstätten sowie die Stadt Weimar.


JURY STATEMENTS

JURY AWARD VIDEO „HIATUS“

“Hiatus” combina distintos lenguajes audiovisuales para crear un collage poético, a la vez que documental, con muchas capas y lecturas para el espectador. Este vídeopoema híbrido nos descubre parte de la vida de Clarice Lispector, mujer que vivía y escribía a contracorriente en su época, dando una nueva oportunidad a esa voz incómoda, ahora también de actualidad. Al mismo tiempo, nos conecta con los orígenes de la poesía experimental, y de la propia Videopoesía en Brasil, a través de su última entrevista en directo en televisión, con cuyo texto, la autora genera el discurso poético de Lispector en “Hiatus”. Por último, una referencia al silencio, un momento de no creación, un “Hiatus”, nos recuerda que la vida es breve, pero el arte pervive incluso después de la muerte.

JURY AWARD „VIDEO“

The film is based on a poem by Yara M. Ahmed which depicts different aspects of domestic work in a loop. The female protagonist, getting more and more exhausted, develops in an attractive rhythm and a playful style phantasies of delimitation. The film, that mixes traditional and digital animation techniques, is set in a contemporary arabic surrounding that lacks any exotic flavours. Rika Tarigan understands videopoetry as therapeutic instance, which with the means of a fresh urban aesthetic goes beyond an individual fate.

SPECIAL MENTION „THE OPENED FIELD“

Six boys in an empty field are undergoing an archaic coming-of-age-ritual. Helmie Stil bases her interpretation of the poem by Dom Bury on a hypnotic dance-choreography-performance, staging her young protagonists in a raw natural setting. An outstanding camerawork depicts different concepts of masculinitiy in this playful game full of tension. Disturbing and fascinating at the same time, Helmie adopts the rhythm and flow of the spoken poem.